Hilfe, es ist still! Warum wir die Stille nicht mehr aushalten (und sie doch unsere Rettung ist)
- Sandra Ritter | KraftStaub

- 8. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit

21:30 Uhr. Letzte Tür abgeschlossen. Letzter Teller im Schrank. Letztes Licht im Flur ausgeknipst. Der Moment, auf den du den ganzen, langen Tag hingearbeitet hast. Mit einem tiefen Seufzer, der das Gewicht von hunderten To-Dos von deinen Schultern zu lösen scheint, fällst du aufs Sofa.
Stille. Endlich. Du schließt die Augen. Dein Körper ist Blei, dein Kopf ist... immer noch laut.
"Nur kurz abschalten", sagst du dir. "Nur fünf Minuten. Nichts tun. Wie schön."
Aber der Gedanke ist kaum gedacht, da beginnt es schon. Ein unruhiges Kribbeln in den Fingern. Ein subtiles Zucken des Daumens. Und bevor du dich bewusst dafür entscheidest, ist dein treuer, leuchtender Begleiter schon in der Hand: das Handy.
Der Daumen erwacht zum Leben und beginnt seinen nächtlichen Marathon. Einmal kurz durch Instagram wischen... ah, das Leben der anderen sieht heute wieder beneidenswert aufgeräumt aus. Schnell die E-Mails checken... nichts Wichtiges, aber jetzt ist das Arbeits-Gehirn wieder aktiviert. Ein kurzer Blick in die Nachrichten... oh je, die Welt brennt. Vielleicht noch die Wetter-App? Aha, morgen Regen. Gut zu wissen.
Zehn Minuten später schaust du auf. Bist du entspannter? Nein. Dein Nacken ist verspannt, deine Augen sind müde vom blauen Licht und dein Kopf ist jetzt gefüllt mit den Leben anderer, den Sorgen der Welt und der Wettervorhersage für Grönland. Du bist vor der Stille in deinem Wohnzimmer geflohen – und direkt in den Lärm des ganzen Planeten gelaufen.
Kommt dir dieses kleine abendliche Schauspiel bekannt vor?
Die ungebetenen Gäste in der Stille
Warum ist das so? Warum jagen wir der Stille nach wie dem heiligen Gral, nur um dann panisch die Flucht zu ergreifen, wenn wir sie finden?
Weil in der Stille plötzlich all die ungebetenen "Gäste" in unserem Kopf an die Tür klopfen, die wir im Lärm des Alltags so gut ignorieren können: die To-Do-Liste für übermorgen, dieser eine peinliche Moment aus dem Jahr 2007, die leise Sorge um die Kinder und die unüberhörbare Frage: "War's das jetzt eigentlich schon?".
Die Stille konfrontiert uns mit dem unaufgeräumten Dachboden unserer Seele. Und wer hat schon Lust, freiwillig aufzuräumen?
Die verrückte Wahrheit: Die Stille ist keine Leere
Hier kommt der philosophische Twist: Die Stille ist keine Leere, die es zu füllen gilt. Sie ist der einzige Raum, in dem wir uns selbst wieder hören können. Es ist der Moment, in dem die leise, weise Stimme unseres "inneren Meisters" endlich eine Chance gegen den lauten Dauersabbel-Modus unseres Gehirns hat.
Wir müssen also nicht lernen, die Stille "auszuhalten". Wir dürfen uns nur daran erinnern, dass sie unser Zuhause ist.
Deine geheime Rebellion: Die 30-Sekunden-Stille
Der Weg zurück ist keine große Heldentat. Es ist eine kleine, fast geheime Rebellion gegen den Alltags-Wahnsinn. Nenn es "Mikrodosierung der Stille".
Der Ampel-Trick: An der roten Ampel. Hände am Lenkrad lassen. Nicht zum Handy greifen. Nur 30 Sekunden aus dem Fenster schauen. Atmen.
Der Kaffee-Moment: Während der Kaffee durchläuft. Nicht den Feed checken. Nur dem Geräusch der Maschine lauschen. Den Duft riechen.
Der Sofa-Sieg: Der Moment am Abend auf dem Sofa. Bevor du zum Handy greifst, halte für eine Minute inne. Nur eine Minute. Spüre das Sofa unter dir. Spüre deinen Atem. Und wenn der Drang zu scrollen kommt, lächle ihn an wie einen alten Bekannten und sag: "Nicht jetzt."
Es geht darum, der Stille wieder einen Platz an unserem Tisch zu geben. Sie ist keine bedrohliche Leere, sondern die liebevolle Freundin, die uns daran erinnert, wer wir wirklich sind, wenn der ganze Lärm mal aufhört
Dein erster Schritt zurück in die Stille
Wenn du spürst, dass dich der Lärm des Alltags oft überrollt und du dich danach sehnst, die kleinen, kostbaren Momente der Stille wieder in deinem Leben zu finden, dann ist mein kostenloser Mini-Kurs "Dein Ruhe-Anker" der perfekte, sanfte Einstieg. Dort lernst du in zwei sofort verfügbaren Lektionen eine wirksame Soforttechnik, um aus dem akuten Gefühl der Überforderung auszusteigen und wieder zu innerer Klarheit zu finden. Denn die Stille ist immer da – wir müssen nur lernen, ihr wieder zuzuhören.
Was sind deine Gedanken? Ich freue mich riesig, deine Perspektive zu diesem Thema in den Kommentaren unten zu lesen. Wie gehst du mit der Herausforderung um, die Stille im Alltag zu finden? Was hilft dir, dem Drang zu widerstehen, jeden Moment zu füllen? Lass uns voneinander lernen.
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